Damit Leben gelingt
22. Februar 2013

„Bring bitte einen Löffel aus Brasilien mit“

Sr. Klara Maria
Sr. Klara Maria

Eine wahre Geschichte erzählt von Sr. Klara Maria Breuer, Missionsprokuratorin der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel.

„Bring bitte einen Löffel aus Brasilien mit“: Sabrinas SMS, die während meiner Projektreise in Leme auf dem Handy eintrudelt, kreist in meinem Kopf. Was für einen Löffel nehme ich nur? Soll ich einen „schönen Löffel“ in Sao Paulo besorgen? Passt ein Löffel mit kleinem Edelstein am Griff, wie es sie dort in den Läden gibt? Bei den Mahlzeiten erzähle ich brasilianischen Mitschwestern am Tisch von der Löffelaktion da draußen und der entsprechenden Anfrage. „Frag doch Schwester Maria Ludwigis“, bringt mich eine Mitschwester auf die zündende Idee. Ja, das passt! Schwester Maria Ludwigis Bilo, mit 86 Jahren die einzige deutsche Schwester unserer Ordensgemeinschaft in Brasilien, hat täglich mit Essen zu tun. Oder besser: mit fehlendem…

Die Tür zu ihrem „Sprechzimmer“ und Büro ist offen. Da kommen die Menschen vom Stadtrand, mal mehr, mal weniger. „Es sind auch schon mal 19 Menschen am Vormittag da gewesen“, erzählt sie mir. Sie alle bringen ihre Not mit: Die Familie hat kein Geld mehr, um Essen zu kaufen, es ist kein Geld da, um Miete oder Gas zu bezahlen. „Mein Haus ist am Einstürzen“, kommt eine Frau. „Ich muss eine Anzahlung für den Führerschein zahlen, um Arbeit zu bekommen“, sagt ein Mann. Schwester Maria Ludwigis hört zu und hilft, so gut sie kann.
Zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder sonstigen Festen kauft sie Essenskörbe. Über 50 Stück sind es dieses Mal. Grundnahrungsmittel sind drin, um über die Runden zu kommen. Arbeit ist knapp. Auf den Plantagen, wo die meisten Menschen vom Stadrand als Tagelöhner arbeiten, in der Zuckerrohr- oder Apfelsinenernte, werden immer mehr Maschinen eingesetzt. Die Bauwollernte ist ausgefallen, ein Schädling hat sie vernichtet. Die Apfelsinen können dieses Jahr nicht exportiert werden, wegen des Einsatzes von Pestiziden seien sei nicht geeignet, sagt man. Wovon leben die Menschen?

Sr. Maria Ludwigis Creche Sagrada Familia in Leme
Sr. Maria Ludwigis
Creche Sagrada Familia in Leme

Wie sie leben, das weiß Schwester Maria Ludwigis. 43 Jahre lang hat sie die Kindertagesstätte der Ordensgemeinschaft geleitet. Die Kinder dort haben Gott sei Dank immer etwas „zu löffeln“.

Immer wieder hat Schwester Maria Ludwigis die Familien der Kinder in den stets wachsenden Stadtrandvierteln besucht. Die traurige Nachricht, „wir haben nichts mehr zu löffeln“, geht ihr nach wie vor ans Herz. Ich erzähle Schwester Maria Ludwigis von der „draußen-Aktion“. „Hier ist ein Löffel“, so gibt sie mir gerne einen von ihren mit. Der Löffel von dort, hineingelegt in eine Serviette vom 50jährigen Jubiläum der Kindertagesstätte, das unsere Generaloberin Sr. Aloisia und ich mitgefeiert haben. Löffelgeschichten liegen darin, von Kindern und Erwachsenen am Stadtrand von Leme. Und von einer offenen Tür, wo die, die nichts zu löffeln haben oder die Suppe wirtschaflicher Strukturen auslöffeln müssen, Hoffnung schöpfen…